Return-to-Work nach medizinischer Rehabilitation: Potenziale von Job-Exposure-Matrizen zur Abbildung berufsbezogener Belastungen in Routinedaten
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Hintergrund Routinedaten der Sozialversicherungsträger bieten große Analysestichproben und lange Beobachtungszeiträume, enthalten jedoch keine individuellen Informationen zu Arbeitsbelastungen. Gleichzeitig sind arbeitsbezogene Faktoren bei Personen im erwerbsfähigen Alter zentral für einen nachhaltigen Rehabilitationserfolg. Job-Exposure-Matrizen (JEM) ermöglichen eine empirisch basierte Zuordnung berufstypischer Belastungen zu einzelnen Berufstätigkeiten und könnten damit eine wichtige Lücke in der Versorgungsforschung schließen. Methodik Es wurde eine retrospektive Kohortenstudie auf Basis des Scientific Use File „Abgeschlossene Rehabilitation im Versicherungsverlauf 2014–2021“ der Deutschen Rentenversicherung durchgeführt. Eingeschlossen wurden n=621.695 Versicherte im Alter von 18–63 Jahren mit dokumentierter beruflicher Tätigkeit vor Rehabilitation. Arbeitsbelastungen wurden über den Overall Job Exposure Index auf Basis der BiBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung operationalisiert und in drei Belastungsgruppen (niedrig/mittel/hoch) eingeteilt. Stabiler RTW wurde auf Basis monatlicher Versicherungsverläufe als mindestens vier aufeinanderfolgende Monate sozialversicherungspflichtige Beschäftigung innerhalb von 24 Monaten definiert. Zusammenhänge wurden mittels Cox-Regressionen (unadjustiert sowie schrittweise adjustiert) analysiert. Ziel der Studie ist es, das Potenzial eines JEM-basierten Arbeitsbelastungsindex zur Analyse von Zusammenhängen mit Return-to-Work (RTW) nach medizinischer Rehabilitation zu untersuchen. Ergebnisse Stabile Beschäftigung nach 24 Monaten lag für niedrige, mittlere und hohe Arbeitsbelastung bei 74,4%, 68,4% bzw. 66,2% vor. Höhere Belastungen waren konsistent mit einer geringeren RTW-Wahrscheinlichkeit assoziiert (Modell M1). Die Effekte blieben auch nach Adjustierung für soziodemografische (M2) sowie zusätzlich erwerbs- und gesundheitsbezogene Merkmale (M3) bestehen (Tab. 1). Unterschiede im RTW zeigten sich gemäß kumulativen Inzidenzkurven bereits unmittelbar nach Reha-Ende und persistierten über den gesamten Beobachtungszeitraum. Tab. 1. Cox-Regressionen für stabilen RTW nach Arbeitsbelastungsindex Arbeitsbelastungsindex OJI M1: HR (95% KI) M2: HR (95% KI) M3: HR (95% KI) Niedrig (OJI 1-3) (Ref.) Mittel (OJI 4-7) 0,85 (0,84–0,86) 0,85 (0,85–0,86) 0,88 (0,87–0,88) Hoch (OJI 8-10) 0,80 (0,80–0,81) 0,81 (0,80–0,81) 0,84 (0,83–0,84) n=621.695; OJI: Overall Job Exposure Index, HR: Hazard Ratio, KI: Konfidenzintervall Diskussion Die Ergebnisse legen nahe, dass berufsbezogene Belastungen auch ohne individuelle Expositionsmessung valide in Routinedaten abgebildet werden können. JEM-basierte Indizes stellen ein methodisch praktikables Instrument dar, um berufsbezogene Belastungen in großen administrativen Datensätzen zu berücksichtigen. Für die Versorgungsforschung eröffnet dies neue Möglichkeiten, sozialmedizinische Verläufe anhand von Routinedaten differenzierter zu analysieren und zielgruppenspezifische Versorgungsbedarfe zu identifizieren. Gleichzeitig sind Limitationen wie potenzielle Expositionsfehlklassifikation auf Individualebene zu berücksichtigen.
Ce résumé expose les affirmations des auteurs. BNTIC ne l’interprète pas comme une validation indépendante des résultats.
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