Mehr als Taubheit, Derealisation und Depersonalisation
Résumé fourni par la source
Die fünfte Ausgabe des diagnostischen und statistischen Manuals psychischer Störungen (DSM-5; American Psychiatric Association, 2013) enthält einen dissoziativen Subtyp der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), der durch zusätzliche Symptome der Depersonalisation und Derealisation gekennzeichnet ist. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass dissoziative Symptome bei PTBS über Detachment-Dissoziation hinausgehen und dass einige Patienten zusätzliche Symptome von Compartmentalization-Dissoziation wie Stimmenhören, Amnesie und Identitätsstörung aufweisen. Daher untersuchten wir in dieser Studie latente Profile von Kindheitstrauma (Childhood Trauma Questionnaire; CTQ), PTBS (Impact-of-Event Scale-Revised; IES-R) und pathologischer Dissoziation (Dissociative Experiences Scale-Taxon; DES-T) in einer großen Stichprobe schwer traumatisierter stationärer Patienten mit PTBS (N = 1360). Unsere Ergebnisse verweisen auf eine Dreiklassenlösung der Latent-Profile-Analyse mit einer PTBS-Klasse, einer dissoziativen Subtyp-Klasse und einer dritten Klasse, die durch komplexere und schwerere dissoziative Symptome gekennzeichnet ist. Dabei machten in der stationären Stichprobe Patient:innen mit schwerer PTBS und dissoziativen Symptome der dritten Klasse den größten Anteil aus. Sowohl der explorative Charakter unserer retrospektiven Analyse klinischer Routinedaten als auch die Verwendung des DES-T begrenzen die Generalisierbarkeit unserer Ergebnisse, die einer methodisch strengeren Replikation bedürfen. Zugleich wird deutlich, dass bei schwerer PTBS dissoziative Symptome über Detachment-Dissoziation hinausgehen und weitverbreitet sind. Diagnostische und therapeutische Implikationen werden diskutiert.