Nierenersatzverfahren auf der neonatologischen Intensivstation
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Hintergrund Nierenersatzverfahren werden auf der NICU selten angewendet. Nur wenige deutsche Perinatalzentren verfügen über die notwendigen Voraussetzungen, um diese durchführen zu können. In Hessen ist dies nur in Marburg und in Frankfurt möglich. Fragestellung Wesentliche Indikationen für ein Nierenersatzverfahren in der Neonatologie sind akute, kritische Erkrankungen (z.B. Sepsis, Donor bei FFTS), und angeborene Fehlbildungen der Nieren und ableitenden Harnwege (z.B. Multicystic dysplastic kidney (MCDKD), lower urinary tract obstruction (LUTO)). Neben Peritonealdialyse (PD) werden (seltener) auch Hämodialyse (HD), Hämofiltration (HF) und Hämodiafiltration (HDF) angewandt . Material und Methode Es wurden die Verläufe der Neugeborenen (NG) ausgewertet, die zwischen dem 01.01.2016 und 15.01.2023 eine Nierenersatztherapie auf unserer neonatologischen Intensivstation (NICU) erhielten. Ergebnisse Im Untersuchungszeitraum erfolgte bei insgesamt 17 NG eine Dialyse. 12/17 Kindern wurden in unserem Haus geboren, 5/17 sekundär zuverlegt. Bei 11/17 (65%) war bereits pränatal eine Nierenfehlbildung bekannt. Das Gewicht bei Beginn der Dialyse lag zwischen 960 und 3879 g (. Beim kleinsten Kind wurde am LT 36 mit 33+4 SSW die Dialyse begonnen. 4/17 wurden bereits ab Lebenstag (LT) 2 dialysiert. 7/17 wurden mit PD behandelt. Jeweils ein NG ausschließlich mit HD/HF bei Nichtanwendbarkeit der PD (abdominelle Operationen, Leckage). Bei 8/17 musste auf mind. ein weiteres Dialyseverfahren gewechselt werden. Häufige Diagnosen waren LUTO und andere dysplastische Erkrankungen der Nieren (MCDKD, VACTERL), seltener eine akute Niereninsuffizienz (AKI). 5/17 (29%) der dialysierten NG verstarben im Verlauf des ersten Lebensjahres, davon 3 an nicht zu beherrschenden Komplikationen bereits innerhalb der ersten Lebenswochen. Bei 4/5 war mehr als ein Dialyseverfahren erforderlich. Die zugrunde liegenden Ursachen bei letalem Verlauf waren komplex (Hyperfibrinolyse, Darmperforation, kardiales Versagen, Therapierefraktäre arterielle Hypotonie, Palliation). Bei 12/17 (71%) NG konnte langfristig eine stabile Situation erreicht werden. Die psychomotorische Entwicklung wird derzeit evaluiert. Schlussfolgerung Die Durchführung einer Dialyse auf der NICU ist ein selten erforderliches, komplexes und häufig von Komplikationen begleitetes Verfahren. Die Umsetzung der einzelnen Verfahren, insbesondere der HD, ist in dieser Altersgruppe nicht einfach. Die PD ist das Verfahren der ersten Wahl. Häufig ist ein Wechsel zwischen den Verfahren erforderlich. Die Dialyseindikation in der Neonatologie wird oftmals relativ akut gestellt, bevor der volle Umfang der Nierenfunktionsstörung und andere kritische Begleiterkrankungen bekannt sind; daher ist die Prognose oft kritisch. Die Nierenersatztherapie kann ein Überleben des NG ermöglichen. Eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Geburtshilfe, Neonatologie, Kinderchirurgie und Kindernephrologie ist von besonderer Bedeutung. Publication History Article published online: 06 June 2023 © 2023. Thieme. All rights reserved. Georg Thieme Verlag KG Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany
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Le contrôle bibliographique ouvert
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- Titre Crossref
- Nierenersatzverfahren auf der neonatologischen Intensivstation
- Date Crossref
- 01/06/2023
- Éditeur
- Georg Thieme Verlag KG
- Type
- journal-article
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